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Ca. 50 km südlich von Salerno, in der fruchtbaren Ebene des Flusses Sele, liegt das archäologische Gebiet von Paestum. Wahrscheinlich waren die Gründer der Stadt griechische Auswanderer aus Sybaris, die sich um 600 v. Chr. an der Mündung des Flusses Seles niederließen. Poseidonia entstand also während der dritten großen Besiedlungswelle der Griechen, und war Teil der Magna Graecia bis Ende des 5. Jh. v. Chr. Dann aber eroberten die Samniten, eine Bevölkerung aus dem Inneren der Halbinsel, neben Cumae und Neapel auch Poseidonia und beendeten die griechische Vorherrschaft in dieser Region Italiens. 273 v. Chr. schließlich wurde Poseidonia römische Provinz und erhielt den lateinischen Namen Paestum. Von da an besaß es, abgesehen von den Anfangszeiten des römischen Imperiums und der florierenden Parfümindustrie, nur geringe wirtschaftliche und politische Bedeutung. Dadurch konnte es sich aber auch sehr unabhängig entwickeln und hatte z. B. lange Zeit ein eigenes Münzprägerecht.

Die drei griechisch dorischen Tempel und die in dem Museum aufbewahrten Funde sind ein einzigartiges Beispiel der antiken griechischen Kunst in aller Welt. Der Poseidontempel, der Cerestempel und die sogenannte Basilika, gelten mit den Tempelanlagen von Agrigent, als die besterhaltensten der Griechen im Mittelmeer-Raum und beweisen welchen hohen kulturelle Stand Paestum erreichtet hatte und auch wie die Stadt eines der wichtigsten religiösen Zentren der Magna Graecia gewesen war.

Der Poseidon Tempel wurde Mitte des 5.Jahrhundert v. Chr. erbaut, gleichzeitig mit dem Parthenon in Griechenland und ist in seiner Bauart ist von dem Jovis Tempel in Olympia beeinflusst worden. Er ist wie alle griechischen Tempel von Westen nach Osten ausgerichtet. Der heutige Name, Poseidontempel ist eigentlich irreführend, da der Tempel wahrscheinlich der Göttin Hera geweiht war. Dieser Tempel ist wohl außerhalb Griechenlands der besterhaltenste und schönste dorische Tempel.

Die sogenannte Basilika, ist der älteste der in Paestum gebauten Tempel. Er wurde in der Mitte des 6.Jahrhundert v. Chr. erbaut. Auch er war wahrscheinlich der Göttin Hera gewidmet.

Der Cerestempel wurde am Ende des 6.Jahrhunderts v. Chr. erbaut. Eine bisher noch an keinem anderen griechischen Tempel angetroffene Besonderheit ist der hohe Giebel. Er liegt in der "Heiligen Zone der Athene". Der Athene-Kult gewann um 500 v. Chr. in Paestum an Bedeutung und rivalisierte mit dem uralten Kult der Hera.

Das Museum von Paestum wurde 1952 eröffnet. Es beherbergt verschiedenste Exponate aus den Ausgrabungsstätten der Umgebung, vor allem aus den Tempelanlagen und Nekropolen (Friedhöfen).

Die Grabplatten, die im Museum ausgestellt werden, stammen aus den 3 Nekropolen rund um das Heiligtum der Hera. Ursprünglich waren sie in die Erde eingelassen und dienten als Begrenzungen und Befestigungen für echte Gräber. Ihre besondere Bedeutung leitet sich aus den Bemalungen der Steinplatten ab, die eines der wenigen Zeugnisse für die Malerei jener Zeit darstellen.

Grundsätzlich kann man zwei verschiedene Typen von Gräbern unterscheiden: Die griechisch geprägten wie das Grab des Tauchers, das 1968 entdeckt wurde, und die lukanisch geprägten.

Das "Grab des Tauchers", das gehörte wahrscheinlich einem griechischen Adligen. Seinen Namen erhielt es aufgrund der Deckenplatte, auf der ein Mann abgebildet ist, der von welcher Säulen ins Wasser springt. Das soll gleichzeitig den Übergang vom Dies- ins Jenseits darstellen oder aber den Gedanken der Wiedergeburt unterstreichen. Wenn man die Säulen jedoch als die Säulen des Herakles (Meerenge von Gibraltar) interpretiert, springt der Taucher in unbekannte Gewässer, er weiß also nicht, ob und wie sein weiteres Dasein gestaltet sein wird. Ein anderes Bild erzählt von den Alltagserlebnissen des Verstorbenen, zu denen vor allem das Symposium (Gelage) gehörte: Dabei gab es viel Musik und noch mehr Wein, der in etwaigen Becherwurfspielen (Kottabos) gleichmäßig im Raum verteilt wurde, was der angeheiterten Stimmung sicher keinen Abbruch tat. Neben diesen Aktivitäten spielt die gleichgeschlechtliche Liebe ebenfalls eine große Rolle auf den Grabplatten - und damit sicher auch im Leben des Verstorbenen.